Science behind Nutraceuticals

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Nutraceuticals in neuem Licht dargestellt



13.03.2009 | ENA 

Die präventive Bedeutung von Nutraceuticals

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Wiesbaden, 7. März 2009 (ena) – Auch bei der diesjährigen fünften Jahrestagung der European Nutraceutical Association im März 2009 in Wiesbaden standen Nutraceuticals und ihre gesundheitliche Relevanz im Mittelpunkt. Unter dem Motto: „Nutraceuticals – Bewährtes und Neues“ wurden bekannte, aber auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit überzeugenden Daten zu verschiedenen aktuellen Themen zusammengefasst und vorgestellt. Im Zentrum standen Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Folsäure sowie Obst- und Gemüsesaftkonzentrate. Erstmals wurden auch Einblicke in das noch junge Forschungsgebiet der Nutrigenomik geboten.

Nutrigenomik eröffnet neue Einsichten in die Rolle der Ernährung

Die noch junge Wissenschaft der Nutrigenomik beschäftigt sich mit der Aktivierung bestimmter Gene durch gewisse Nährstoffe. Mit seinem Einleitungsvortrag weckte Prof. Robert Grimble das Verständnis für das individuelle Ansprechen des menschlichen Stoffwechselgeschehens auf unterschiedliche Nährstoffe am Beispiel des Entzündungsgeschehens. Grimble konnte in seinen Arbeiten zeigen, dass das individuelle Ansprechen auf die Zufuhr gewisser gesundheitsrelevanter Nährstoffe stark von phänotypischen (Geschlecht, Alter oder Gewicht) und genotypischen Faktoren (Genmutationen, Genvariationen = Polymorphismen) beeinflusst wird. So ist die Variabilität der Genexpression eine wichtige Determinante für den Verlauf und Ausgang eines Entzündungsprozesses in einem Individuum. Logischerweise ist damit auch die Effizienz entzündungshemmender Nährstoffe wie Omega 3-Fettsäuren oder antioxidativer Substanzen von der genetischen Ausstattung des Einzelnen abhängig. Mit der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnisse ist möglicherweise bereits in einigen Jahren zu rechnen.

Prävention mit Fischöl

Die für den Menschen wichtigsten Omega 3-Fettsäuren DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure) finden sich in grösseren Mengen in verschiedenen Körpergeweben, insbesondere im ZNS, und beeinflussen die Gewebe- und Zellphysiologie ebenso wie die Reaktionsweise von Zellen und Gewebe auf externe Signale. Um die funktionelle Bedeutung dieser langkettigen Fettsäuren aufzuzeigen, präsentierte Prof. Philip Calder in seinem Vortrag beeindruckende Ergebnisse aus aktuellen Studien zur Wirkung von Omega 3-Fettsäuren in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Exemplarisch sei eine Metaanalyse mit elf Studien erwähnt, in der die Aufnahme von Omega 3-Fettsäuren durch Fischölsupplemente beziehungsweise fischreiche Mahlzeiten bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen mit einer signifikanten Reduktion tödlich verlaufender kardialer Ereignisse (30%) und einer Senkung der Mortalitätsrate um 20 Prozent verbunden war. Auslöser dieser eindrücklichen Effekte sind antiarrhythmische, antithrombotische und antiinflammatorische Wirkungen dieser sehr langkettigen Fettsäuren, die – wie verschiedene Supplementationsstudien gezeigt haben – mit einem verminderten Risiko für kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität assoziiert sind. Um die dafür notwendige Zufuhr von täglich 1 bis 2g Omega 3-Fettsäuren zu erreichen müsste täglich fetter Seefisch gegessen werden, was kaum praktikabel ist. Calder schlägt daher die regelmässige Supplementation entsprechend dosierter Fischölkapseln vor.

Vitamin D Supplementation als möglicher wichtiger Baustein der Prävention

Neue Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen, dass Vitamin D weit mehr Gene reguliert, als bisher angenommen. Nahezu alle Körperzellen haben Rezeptoren für dieses Prohormon, so Professor Jörg Spitz in seinen Ausführungen. Im gesamten Organismus erfüllt Vitamin D daher lebenswichtige Funktionen - also nicht nur im Knochenstoffwechsel, wofür es bereits seit langem bekannt ist. Neben diesen Funktionen vermag Vitamin D das Risiko für Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen zu reduzieren und die Insulinresistenz zu vermindern. Inzwischen häufen sich zudem die Indizien dafür, dass eine gute Vitamin D-Versorgung auch vor Krebserkrankungen schützt. Klinische Daten zeigen eine Unterdrückung des Tumorwachstums, die Unterstützung des programmierten Zelltods entarteter Zellen sowie eine Reduktion der Metastasierungstendenz. So ist beispielsweise das Mamakarzinomrisiko bei Frauen mit hochnormalem Vitamin D-Spiegel gegenüber solchen mit Vitamin D-Mangel um bis zu 300 Prozent niedriger. Weiter scheint Vitamin D vor neurologischen und allergischen Krankheiten und Autoimmunerkrankungen zu schützen. Um wünschenswerte Plasmaspiegel von mindestens 30ng/ml zu erzielen, muss ein Erwachsener täglich mindestens 1000 IU Vitamin D aufnehmen, was mit der Nahrung allein nicht erreicht werden kann – schon gar nicht in der dunklen Jahreszeit. Da 70 bis 90 Prozent aller Menschen in den nördlichen Breiten einen Vitamin D-Mangel aufweisen, ist der Einsatz entsprechender Supplemente erforderlich, damit die negativen Folgen einer Unterversorgung langfristig vermieden werden können. Bei diesen Dosierungen ist die Angst vor Überdosierungen unbegründet.

Negative Presse zu Folsäure widerlegt

Eine Reihe von Pannen in der Berichterstattung und der Wahl der Studiendesigns - die selektive Darstellung von Studiendaten, qualitativ schlechte oder mangelhafte Studienplanung sowie Fehler in der Probandenwahl - hätten entscheidend zum negativen Bild der Folsäure in den Medien beigetragen, berichtete der Folsäurespezialist Prof. Klaus Pietrzik in seinen Ausführungen. Er bezog sich damit insbesondere auf die Präsentation vorläufiger Daten der NORVIT-Studie, das schwache Design der HOPE-2-Studie sowie grobe Mängel im Design der 2008 vorgestellten WAFACS-Studie (2008), die dazu führten, dass die Gabe von Folsäuresupplementen in den entsprechenden Probandengruppen entweder zu negativen oder zweifelhaften Ergebnissen führte. Positive Studienergebnisse wurden in der Folge von der Berichterstattung lange ignoriert. Pietrzik konnte allerdings deutlich machen, dass die Literatur der letzten Jahre vielfache Evidenz dafür liefert, dass eine ausreichende Folsäureversorgung das Risiko für Schlaganfall, Hypertonie, Makuladegeneration sowie Mikroangiopathien signifikant zu reduzieren vermag.

Wissenschaftliche Evidenz zu Nahrungsergänzung aus Obst- und Gemüsesaftkonzentraten

In seinem Überblick über die wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln aus Obst- und Gemüsesaftkonzentraten berichtete Dr. Manfred Lamprecht über eine Reihe positiver gesundheitsrelevanter Effekte, die sich damit erzielen lassen. So lässt sich bei Sportlern und Rauchern durch die regelmässige Einnahme von Obst- und Gemüsesaftkonzentraten eine Verminderung oxidativer Schädigungen, einer Stabilisierung des Immunsystems sowie eine Senkung des Homozystein- sowie ein Anstieg des Folsäurespiegels nachweisen. Darüber hinaus wurde eine Verbesserung der Elastizität der Blutgefässe nach fettreichen Mahlzeiten beobachtet. In seinen eigenen Arbeiten konnte Lamprecht zudem nachweisen, dass die Einnahme solcher Konzentrate den Anstieg oxidativer Proteinschädigungen nach hochintensiven körperlichen Belastungen verhindert ohne das endogene antioxidative System zu supprimieren. Lamprecht zieht daraus den Schluss, dass der Einsatz solcher Supplemente bei exponierten Zielgruppen wie Leistungssportler oder Personen mit Mehrfachbelastung, aber auch bei zu geringem Obst- und Gemüsekonsum sinnvoll und empfehlenswert ist – eine ausgewogene obst- und gemüsereiche Ernährung liesse sich dadurch allerdings nicht ersetzen.

Grünteeextrakt – Eine Substanz mit Potential

Zahlreiche epidemiologische Studien haben in der letzten zeit immer wieder über das gesundheitliche Potential von grünem Tee und seinen Inhaltsstoffen berichtet. Demnach korreliert das regelmässige Trinken von Grüntee mit einem reduzierten Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen. Wie Professor Peter Weber in seinem Vortrag berichtet, weisen neue Erkenntnisse darauf hin, dass sich unter grünem Tee auch das Risiko eines Metabolischen Syndroms vermindert: Nach 12-wöchiger Einnahme eines Grünteeextrakts liess sich bei männlichen Probanden eine signifikante Reduktion des viszeralen Körperfetts beobachten. Als wirksames Prinzip gelten hier phenolische sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere die Catechine mit ihrem wichtigsten und wirksamsten Vertreter, dem Epigallocatechingallat (EGCG). Bisherige Untersuchungen weisen auf zahlreiche gesundheitlich relevante Eigenschaften dieses ausserordentlich potenten stoffwechse-l und gefässaktiven Pflanzenstoffs hin. In ersten präklinischen Studien hat sich ein Nahrungsergänzungsmittel auf EGCG-Basis bereits als sicher, gut verträglich und hoch bioverfügbar erwiesen.


Zusammenfassend hat die Tagung deutlich gemacht, dass die häufig negative Darstellung von Nutraceuticals in der Öffentlichkeit jeder Grundlage entbehrt und diesen sehr wohl eine Bedeutung für die Prävention wichtiger Zivilisationskrankheiten und für die Gesundheitsförderung zukommt, insbesondere wenn Risikofaktoren bestehen oder eine sinnvolle Ergänzung zu einseitigen Ernährungsformen erforderlich ist.


Wer ist die ENA?

Die European Nutraceutical Association (ENA) ist eine Fachgesell-schaft, die sich wissenschaftlich mit Nahrungsergänzungsmitteln auseinandersetzt. Im angloamerikanischen Sprachraum hat sich dafür der Begriff Nutrazeutika etabliert. Die ENA versteht sich als Partnergesellschaft zur American Nutraceutical Association (ANA), die 1997 gegründet wurde. Der Kongress, an dem ca. 250 Ärzte, Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten, Pharmazeuten, Naturwissenschaftler und Sport¬wissenschaftler aus Europa und USA teilgenommen haben, fand in diesem Jahr zum fünften Mal statt.

Abdruck honorarfrei / Beleg erbeten

Quellen:
Kongressbericht und Abstracts zu „Nutraceuticals: Bewährtes und Neues“, Symposium anlässlich der 5. internationalen Jahrestagung der European Nutraceutical Association (ENA), 7. März 2009, Wiesbaden, Deutschland

Referenten:
Prof. Dr. Philip C. Calder, Institute of Human Nutrition, School of Medicine, University of Southampton, UK / Prof. Dr. Robert F. Grimble, Institute of Human Nutrition, School of Medicine, University of Southampton, UK / Dr. Manfred Lamprecht, Institute of Physiological Chemistry, Medical University of Graz, Austria / Prof. Dr. Klaus Pietrzik, Department of Nutrition and Food Sciences (Human Nutrition), University of Bonn, Germany / Dr. Peter Prock, European Nutraceutical Association, Basel, Switzerland / Prof. Dr. Jörg Spitz, Society of medical information and prevention, Schlangenbad, Germany / Ass. Prof. Dr. Gerald Tulzer, Department of Cardiology, Children’s Hospital Linz, Austria / Prof. Dr. Peter Weber, DSM Human Nutrition & Health, Basel, Switzerland

Herausgeber:
European Nutraceutical Association (ENA)
Centralbahnstraße 7
CH – 4010 Basel
www.enaonline.org

Pressekontakt:
European Nutraceutical Association (ENA)
Dr. Peter Prock
T: +41 79 631 0968; F: +41 61 931 4083
p.prock@enaonline.org

Termine für Interviews mit Dr. Peter Prock können ab Anfang April vereinbart werden

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Pressebericht (50.5 KB)
Kongressbericht (1.3 MB)
Verfügbare Abstracts in deutscher Sprache (328 KB)