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Ernährung, Immunsystem und Entzündung, ENA-Kongress in Berlin



19.03.2007 | dk 

Experten präsentieren neue Studienergebnisse auf ENA-Kongress

Berlin, 17. März 2007 (dk) – „Die Gabe von Supplementen mit Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen aus Obst und Gemüse wirkt sich offenbar günstig auf das Immunsystem aus und reduziert die negativen Auswirkungen auf den Organismus, die durch Entzündungsvorgänge verursacht werden können“, so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie der Arbeitsgruppe um Susan S. Percival, University of Florida. Percival und sieben weitere Experten fassten auf dem Kongress „Einfluss der Ernährung auf Entzündung und Immunsystem“ der European Nutraceutical Association (ENA) in Berlin die derzeitige Studienlage zusammen. „Wir stellten die These auf, dass ein im Handel erhältliches Frucht- und Gemüsesaft-Pulverkonzentrat in Kapselform (FVJC) funktionelle Indizes der Immunität durch die vermehrte Zufuhr von verschiedenen nicht-essentiellen bioaktiven sekundären Pflanzenstoffen unterstützen könnte“, berichtet Percival. Eine Annahme, die sich in der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie als richtig erwiesen hat: Die Teilnehmer in der FVJC-Gruppe erholten sich während des Studienverlaufs rascher von grippalen Infekten und wiesen weniger Symptome wie Fieber, Husten, Kopfschmerzen und Müdigkeit auf als die Probanden der Placebo-Gruppe.

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Sekundäre Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse beeinflussen möglicherweise zwei Prozesse: die Immunmodulation und den antioxidativen Schutz. In ihrer Studie untersuchte Percival die Wirkung des FVJC bei beiden Vorgängen. An den Tagen 1, 35 und 77 erfolgten Blutentnahmen, anhand derer die Anzahl zirkulierender Alpha-Beta- und Gamma-Delta-T-Lymphozyten sowie die Zytokin-Produktion, lymphozytäre DNA-Strangbrüche, der antioxidative Status und die Serumspiegel von Karotinoiden und Vitamin C bestimmt wurden. Die Teilnehmer protokollierten ihre im Studienverlauf auftretenden Erkrankungen, vorwiegend grippale Infekte oder banale Erkältungskrankheiten und die damit verbundenen Symptome wie Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Leistungsabfall. Die These: Wenn die Immunität des Organismus durch die Kapsel unterstützt wird, dann verringert sich die Zahl der Erkrankungen, diese fallen weniger schwer aus und dauern weniger lang.

Tatsächlich zeigten die Probanden unter FVJC verglichen mit der Plazebogruppe einen Trend hin zu insgesamt weniger Krankheitstagen und schwächer ausgeprägten Symptomen, der allerdings keine statistische Signifikanz erreichte (p=0.076). Bis Studienende (77 Tage) kam es in der Verumgruppe zudem zu einer Zunahme der zirkulierenden Gamma-Delta-T-Zellen um 30 Prozent und einer Reduktion der lymphozytären DNA-Schäden um 40 Prozent. Darüber hinaus zeigte der Plasmaspiegel dieser Probanden signifikant höhere Konzentrationen an Vitamin C und den pflanzlichen Karotinoiden Beta-Karotin, Lycopin und Lutein. Ebenso signifikant erhöhte sich die Resorptionskapazität für Sauerstoffradikale im Plasma der FVJC-Gruppe. Das in Phorbol-stimulierten Lymphozyten gebildete Interferon Gamma reduzierte sich in der FVJC-Gruppe um 70 Prozent, während die Konzentration anderer Zytokine unverändert blieb.

Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe bei Autoimmunreaktionen

„Es ist durchaus denkbar, dass Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe Stoffwechsel und Wirkung immunologischer Zellen, die durch die exzessive Bildung freier Radikale bei bestimmten Autoimmunerkrankungen geschädigt oder gestört sind, positiv beeinflussen und so mehr Immuntoleranz generieren“, sagt Dr. med. Alirezar Ranjbar vom Institut für interventionelle Allergologie und Immunologie in Bonn. In der vorgestellten Pilotstudie hatten Ranjbar und Kollegen untersucht, ob und wie Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe aus einem Obst- und Gemüsekonzentrat ergänzend zur Standardtherapie mit L-Thyroxin die Autoimmunthyreoiditis bei Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Bei alleiniger Gabe von L-Thyroxin zeigte sich, dass sich zwar die hormonspezifischen Laborparameter normalisiert hatten, kaum jedoch die klinische Symptomatik. Diese reicht von Konzentrationsschwäche über Kälteintoleranz bis hin zu Haarausfall. Durch die zusätzliche Gabe des Nährstoffkonzentrats reduzierte sich der oxidative Stress, gleichzeitig nahm die Zahl der Autoantikörper TPO-AK und TG-AK ab. Auch die klinischen Symptome verbesserten sich signifikant.

Fettsäuren und Entzündungsprozesse

Den Einfluss von Fettsäuren auf Entzündungsprozesse thematisiert Philip C. Calder von der University of Southampton: Der Verzehr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) verringert die Menge an Arachidonsäure in den Entzündungszellen und damit deren Verfügbarkeit für die Prostaglandinsynthese. Dadurch entstehen Mediatoren, die weniger potent sind als die aus der Arachidonsäure gebildeten Analoga. Der metabolische Abbau der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA führt darüber hinaus zu einer neu entdeckten Gruppe von Fettsäuremolekülen, den E- bzw. D-Resolvinen, die selbst ebenfalls antiinflammatorische Eigenschaften haben. Sie sind in der Lage, die Expression entzündungsfördernder Zytokine und Adhäsions- moleküle zu blockieren. Die Gabe von Omega-3-Fettsäuren hat sich bei einer Reihe chronisch entzündlicher Erkrankungen wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis als wirksam erwiesen

Immunsystem und Mikronährstoffe in der Literatur

Wie sieht es nun mit den Effekten von Nahrungsergänzungsmitteln aus, die schon seit langem erforscht werden. Ingrid Kiefer von der Universität Wien führte mit dem Fokus auf die Vitamine A, C, D, E, K, B2, B6, Folsäure, B12, Biotin, Niacin, Beta-Karotin sowie sekundäre Pflanzenstoffe und die wichtigsten Mineralstoffe und Fettsäuren eine umfassende Literaturrecherche durch. Für ihre Auswertung screente sie schließlich 205 Humanstudien aus den Jahren 1971 bis 2007, die bei gesunden Probanden den Effekt der Supplementierung von Einzelvitaminen, Multivitaminen und Multimineralstoffen sowie essentiellen Fettsäuren und Obst- und Gemüsesaftkonzentraten auf die Primärprävention von Immunerkrankungen bzw. auf ihre Wirkung hinsichtlich der zellulären und humoralen Immunabwehr untersuchten. Die Wissenschaftlerin untermauert mit ihrer Literaturrecherche den heutigen Stand der Forschung: Die Supplementierung mit Multivitaminen und Multimineralstoffen senkt die Dauer respiratorischer Infektionen und erhöht die Zahl der T-Zellen sowie der natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Auch Obst- und Gemüsesaftkonzentrate tragen zur Reduktion der Symptome von Erkältungskrankheiten bei und steigern die Konzentration an T-Zellen.


Presseinformation (88.6 KB)

Kongressbericht Berlin 2007 (1.4 MB)

Abstractband ENA Berlin 2007 (385.9 KB)